IT4IT

Eine IT, die sich zukunftssicher aufstellen will, wird nicht umhinkommen, ihre Wertschöpfungskette aus Planung, Entwicklung/Sourcing, Katalog/Request Fulfillment und Betrieb von IT-Services weitgehend zu standardisieren und zu automatisieren. Cloud-Serviceanbieter sind hier Vorreiter und können so ihre spezialisierten Services kostengünstig anbieten.

Das bedeutet, dass IT Service Management (ITSM) wirklich im Wortsinne, nämlich als das Management von IT-Services betrachtet wird: Alle IT-Prozesse, fußend auf einem serviceorientierten Configuration Management System, drehen sich also um den Bezugspunkt IT-Service. Im IT Operations Management (ITOM), also in Betrieb und Leitstand, bedeutet das aber auch ein an IT-Services orientiertes Monitoring. Alle Events können im Kontext des jeweiligen IT-Service und seiner Verantwortungen bearbeitet werden. Die Auswirkung einer Störung auf das Geschäft ist über den Servicebaum sofort zu erkennen. Die „Root Cause“ einer Servicebeeinträchtigung ebenfalls.

Auch technische oder operative IT-Services, also die zahlreichen Vorleistungen der IT, die in Summe zu einem an das Geschäft gelieferten IT-Service beitragen, müssen als IT-Services verstanden werden. Wenn die Wertschöpfungskette der IT so modelliert ist, kann fundiert über die Fertigungstiefe der IT-Services entschieden werden. Diese „Legofication“ von IT-Services ist entscheidende Voraussetzung für die „Sourcing Readiness“ einer IT, die von vielen Providern gelieferte Services steuern und zu Services für das eigene Unternehmen zusammensetzen kann. Neudeutsch „Service Integration and Management“ (SIAM). So lassen sich auch die Cloud-Services „einfangen“ und durch IT Governance gesteuert sicher und effizient als Teil des Serviceangebots bereitstellen.

Unser Zielbild ist also das Gegenteil des lieblos in Word oder Excel erstellten Alibi-Servicekatalogs, der in der Ecke verstaubt, sondern das tagtägliche selbstverständliche Denken in IT-Services durch alle handelnden Instanzen in der IT über den gesamten Lebenszyklus von Plan – Build – Deliver – Run.

Diese durchgängige Orientierung an IT-Services haben wir auch in unserem ITC ITSM+ITOM Referenz-Architekturmodell visualisiert. Letztlich geht es darum, sich bewusst zu machen, was eine IT produziert – nämlich IT-Services, und wie sie diese Produkte herstellt – nämlich durch Herstellung und/oder Einkauf von weiteren IT-Services als Vorprodukten, oder auch Teilen davon (Systeme, Dienstleistungen). Solche unterstützenden IT-Services werden Stufe für Stufe um einen Wertbeitrag erweitert, und mit diesem Mehrwert als IT-Services weitergeliefert: Der IT-Service „Managed Linux“, stützt sich auf die IT-Services „Managed Backup“ und „Managed Storage“. Und unterstützt seinerseits „Managed Database“ und „Managed App Server“, die ihrerseits applikationsbasierende IT-Services unterstützen, die dem Geschäft bereit gestellt werden.

Was die Zukunftsfähigkeit betrifft, so geht es vor allem darum, sich bewusst zu machen, dass eine IT-Organisation auch ein Unternehmen darstellt (meistens im Unternehmen). Dieses Unternehmen lässt sich nur rund um das zentrale Konzept von IT-Services zielführend managen. Wurstfabrikanten produzieren Wurst, hier geht es also um die Wurst. IT Service Provider produzieren IT-Services, hier geht also um IT-Services. Sollte man meinen, und stellt dann doch fest, dass aber immer noch gern „mein Server“, „meine Datenbank“ oder „mein Projekt“ Gegenstände des Interesses sind. Oder dass sich ITs doch eher häufig nach Künstlerkolonien anfühlen als nach Business, wie Dan Warfield in seinem Blog schreibt.

IT-Services über ihren gesamten Lebenszyklus möglichst standardisiert und automatisiert zu managen wird durch eine Vielzahl in Einsatz befindlicher IT-eigener Tools erschwert. Hier kocht jeder Hersteller sein eigenes ITIL-Süppchen und entscheidet für sich, wie er IT-Prozesse in Tools umsetzt. Konzepte, Granularitäten und Datenmodelle passen nicht zueinander, Tools integrieren sich nicht über standardisierte Schnittstellen, und die Nachverfolgung ein und desselben IT-Services von Demand Management, über Enterprise Architecture Management, Portfolio und Projekt-Management, Entwicklungs- und Testumgebungen, über Servicekatalog, User Portal und (möglichst) automatisierte Provisionierung bis hin zum serviceorientierten Betrieb auf Basis einer in IT-Services strukturierten CMDB stellt daher eine komplexe Herausforderung dar.

Andere Serviceprovider-Branchen – beispielsweise die Telekommunikation mit den TM Forum Frameworx – haben seit mehr als 10 Jahren bereits reagiert und sich Referenzmodelle geschaffen, die Hersteller zwingen, sich an ein durchgängiges Prozess-, Daten- und Integrationsmodell zu halten.

Das ist für die IT als Serviceprovider ebenfalls dringend geboten. Diese Anforderung hat die OpenGroup Ende 2015 mit der Veröffentlichung der Referenzarchitektur „IT4IT“ beantwortet. Diese Referenzarchitektur beschreibt die Funktionen, die ermöglicht werden müssen und die Daten, auf denen gearbeitet werden muss, um IT als Business zu betreiben. Das ist die Vorlage für eine IT-Service-Fertigungslinie und schafft Klarheit zu den Datenflüssen der möglichst automatisierten IT-Service-Produktion. Bei den Daten dreht sich natürlich alles um die Abbildung des Lebenszyklus der IT-Services: Beginnend mit Strategie, Architektur und Portfolio, über die Herstellung und Beschaffung von IT-Services, die Bestellung und Lieferung, bis hin zu deren möglichst reibungslosen Betrieb. Die Funktionseinheiten sind natürlich auch keine neuen Dinge, sondern fassen in vier „Value Streams“

  • Strategy to Portfolio (= „Plan“)
  • Requirement to Deploy (= „Build“)
  • Request to Fulfill (= „Deliver“)
  • Detect to Correct (= „Run“)

alle Hauptfunktionen zusammen, die auch Prozessframeworks wie ITIL oder COBIT als Anforderungen thematisieren.

Mehrwert bei IT4IT: Ein direktes Mapping der übersichtlichen Funktionsblöcke (Functional Components) der Referenzarchitektur auf Tools und Applikationen ist leicht möglich. Hinzu treten unterstützende Funktionen wie Reporting, Finanz- oder Projektmanagement. So strebt das Modell denn auch nicht an, bestehende Frameworks vom Thron zu stoßen, sondern nur sehr viel konkreter werdend eine Landkarte der benötigten Funktionen, Datenobjekte und Datenströme bereitzustellen. Diese Landkarte macht es recht leicht, auf einen Blick zu diskutieren, zu beschreiben und zu dokumentieren, wie die eigene „IT der IT“ hinsichtlich Unterstützung durch alle am Lieferprozess der IT beteiligten Tools aussieht. Lücken wie auch Konsolidierungsbedarf kann man so leicht erkennen. Und man kann prüfen, ob es wirklich einen durchgängigen „Backbone“ über den Lebenszyklus der IT-Services gibt.

IT4IT gibt uns also ein sehr brauchbares Werkzeug in die Hand, um Ihnen zu helfen, Ihren IT-Betrieb zu analysieren. Nehmen Sie doch mit uns auf dieser Basis eine Standortbestimmung ihrer „IT der IT“ vor. Wir erkennen dann gemeinsam, wo es Lücken, Brüche, oder Mehrfachbesetzungen von Funktionen gibt, können Handlungsempfehlungen ableiten, und eine Roadmap für eine Entwicklung hin zu einer durchgängigeren IT-Serviceorientierung aufstellen. Basierend auf IT4IT lässt sich gut der Scope von Teilprojekten abgrenzen, um nach und nach in kleinen Schritten Verbesserungen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen IT zu erzielen. Nutzen Sie die Vorteile dieses Werkzeugs für sich!

Anliegend finden Sie für einen ersten Überblick die Präsentationsunterlagen unseres Vortrages der IT Service Management-Expertenveranstaltung 2017.

Wenn Sie sich zunächst nur einmal mit dem Thema vertraut machen wollen, bieten wir Ihnen auch gern unseren halbtägigen Workshop „Discover IT4IT“ für eine Einführung in das Thema an.

Sprechen Sie uns auf „IT4IT“ an. Wir bleiben als Mitglied des „IT4IT Forum“ der Open Group am Thema, und sind immer gern für Sie da.